Austausch
Welche Rolle kann und muss Migrationsforschung in der öffentlichen und politischen Debatte einnehmen?
Mit einem Austausch am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) haben wir am 01. Oktober 2024 mit dem ThinkTank Migrationspolitik unsere erste Veranstaltung durchgeführt. Ziel war es, mit IMIS-Mitgliedern und Studierenden des Masterstudiengangs "Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen" zu diskutieren, welche Rolle die Migrationsforschung allgemein und das IMIS und seine Studierenden konkret einnehmen können und vielleicht auch müssen.
Nach einem Überblick über die aktuellen Ereignisse im Sommer und Herbst 2024, sorgten drei Inputbeiträge für eine gemeinsame Gesprächsbasis. In dem ersten Beitrag stellte Prof. Dr. Thomas Groß, Professor für Migrations-, Europa- und Öffentliches Recht an der Universität Osnabrück, die Unverhältnismäßigkeit der migrationspolitischen Maßnahmen heraus. Ebenso betonte er, dass die Politik hiermit an Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen vorbeiagiere und die Rechtsverschiebung in der Gesellschaft fördere.
Prof. Dr. Jochen Oltmer, Professor für Migrationsgeschichte an der Universität Osnabrück, teilte seine Ansicht, dass nicht fehlende Forschungserkenntnisse das Problem seien, sondern die fehlende Vermittlung dieser Erkenntnisse. So bestünde ein großes Problem der Migrationsforschung darin, dass diese nur auf die politischen, gesellschaftlichen und medialen Debatten reagiere, anstatt diese mitzugestalten.
Die freie Journalistin Alice Pesavento bereicherte mit ihrem Input die Diskussion um eine mediale Perspektive: Sie machte deutlich, dass die Logik der Medien ganz anders funktioniere als die Logik der Wissenschaft. Die zunehmende Aufmerksamkeitsökonomie und der zeitliche Druck beim Schreiben machten tiefgreifende Recherchen und Expertise beim Thema Migration zu einem kaum zu leistenden Luxus.
Danach schloss sich eine lebendige Diskussion zwischen den mehr als 30 Teilnehmenden an. Neben vielen Fragen, die im Verlauf aufkamen, ging es uns vor allem um Lösungsansätze. Im Fokus standen hier die Sensibilisierung an Schulen, von Lehrkräften, Journalist:innen und Politiker:innen, das Erschließen neuer Bubbles und das aktive Zugehen auf diese sowie bessere Medienkompetenz von Wissenschaftler:innen und die bessere Zugänglichkeit der Erkenntnisse und der Mitglieder des IMIS für Bildung, Politik und Medien.